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Ursprung
der Liliputbahnen
Die
erste Liliputbahn verkehrte
nicht wie so oft fälschlicherweise
behauptet anlässlich der Verkehrsausstellung
in München 1925 in Deutschland,
sondern bereits 1872 in England.
In diesem Jahr fasste Sir Heywood
den Plan eine stabile und sichere
Bahn für den Material- und Personentransport
innerhalb seines riesigen Landbesitzes
zu bauen und entschied sich
für die Spurweite 15 Zoll (381mm).
Diese Spurweite erhielt auch
die Abkürzung MGR (Minimum Gauge
Railway) und hatte in der Anfangszeit
mit den heutigen Liliputbahnen
eigentlich bis auf die Spurweite
nichts Gemeinsames.
Die
erste Lokomotive die Sir
Heywood entwarf und auch baute
war eine 0-4-0 und erhielt den
Namen Effie.
1874
begann er mit dem Bau einer
Strecke auf seinem Landsitz
Duffield Bank, Derbyshire und
Ende 1875 ging die erste Lokomotive
auf dieser Strecke in Betrieb.
Doch schon bald entwickelte
er eine leistungsfähigere Lokomotive
0-6-0 an der in weiterer Folge
5 Jahre gebaut wurde. Diese
neue Lokomotive (Radial-Tank-Lokomotive)
war in der Lage engste Radien
zu durchfahren. Die Inbetriebnahme
war dann 1881. Im selben Jahr
noch schickte Sir Heywood Boten
mit Einladungen aus, um seine
Bahn bekannt zu machen. Das
Echo war damals gewaltig. Viele
hunderte Farmer von nah und
fern kamen um die leistungsfähige
Bahn (die 0-6-0 Lokomotive bewältigte
Steigungen bis 1:10) zu bewundern,
aber niemand erklärte sich bereit
in ein Transportsystem nach
dem Muster von Sir Heywood zu
investieren und so blieb die
Duffield Bank Railway lange
die einzige 15 Zoll Bahn in
England.
Sir
Heywood ließ sich nicht entmutigen
und baute fleißig weiter. So
entstanden in den folgenden
Jahren die ersten offenen und
auch geschlossenen Personenwaggons
für die 15 Zoll Spur, sowie
eine Vielzahl verschiedener
Güterwagen. Eine weitere Lokomotive
die später den Namen Muriel
erhielt war 1894 die erste 15
Zoll Lokomotive mit einer Achsfolge
0-8-0.
Ende
1894 öffnete Sir Heywood nochmals
für ein paar Tage seine Parkanlage
für etwaige zahlungskräftige
Interessenten. Obwohl sich auch
dieses Mal kein Anwärter auf
einen Kaufabschluss finden ließ,
war auf dieser Schau eine Persönlichkeit
Namens Cecil Parker, ein naher
Verwandter des Herzogs von Westminster,
anwesend. Er kehrte zum Landsitz
des Herzogs nach Eaton Hall
zurück mit dem Entschluss auch
dort eine Parkbahn nach dem
Vorbild von Sir Heywood in der
MGR-Spur bauen zu lassen. Kurze
Zeit später erhielt Sir Heywood
tatsächlich den Auftrag für
eine 5km lange Feldbahnstrecke
für Eaton Hall zu errichten.
1896 wurde diese Strecke in
Betrieb genommen und war auf
Grund der aufkommenden Automobilindustrie
auch die letzte 15 Zoll Strecke
die zur Zeit der Jahrhundertwende
in England gebaut wurde.
Etwa
zur gleichen Zeit baute die
Lokomotivfabrik Bagnall Ltd.
Castle Engine Works Stafford
eine Lokomotive mit der Spurweite
18 Zoll (45,7 cm) für Lord Downshire
die ihm nur zum persönlichen
Vergnügen diente. Eine Firma
Namens Savage baute seit ca.
1890 relativ einfache 1-A Lokomotiven
ebenfalls mit der Spurweite
18 Zoll für damalige Ausstellungen
und Vergnügungsparks.
Ebenfalls
Anfangs 1890 begann Mr. Basset
Lowke zusammen mit Mr. H. Franklin
Eisenbahnmodelle zu bauen. 1901
machten die beiden Bekanntschaft
mit Mr. Henry Greenly, der heute
als einer der Väter in Bezug
auf die Entwicklung der Liliputbahnen
genannt wird. Im gleichen Jahr
also auch 1901wurde Mr. Henry
Greenly Mitarbeiter des Model
Engineer und schrieb viele Fachbeiträge
zum Thema Miniaturlokomotiven.
1904
entwarf er die wohl berühmteste
Lokomotive der Spurweite 15
Zoll die Little Giant, eine
4-4-2 (2`B`1`)Atlantic Type. Die Little
Giant wurde auf der Eaton Hall
Linie getestet, zog dabei über
die gesamte Strecke einen 12
Tonnen schweren Zug mit einer
Durchschnittsgeschwindigkeit
von damals sage und schreibe
28 kmh. Sie war die erste einer
ganzen Serie von Liliputlokomotiven
welche von Basset Lowke in der
Zeit von 1904 bis 1924 gebaut
wurde.
1914
fand mit einer weiteren Neuentwicklung
auf der Eaton Hall Strecke eine
Probefahrt statt. Es war die
erste 4-6-2 (2`C`1`) mit dem
Namen Anthony welche von Hauptmann
Howey einem dem späteren Gründer
und Initiatoren der Romney,
Hythe & Dymchurch Railway
in Auftrag gegeben wurde.
1916
nahm eine andere Bahnlinie in
der Spurweite 15 Zoll ihren
Betrieb auf. Es war die Ravenglass
& Eskdale Railway auf der
in den Anfangszeiten die Lokomotiven
von Ella und Muriel von Sir
Heywood bis 1921 ihren Dienst
versahen eher sie von der leistungsfähigen
River-Esk einer 2-8-2 (1`D`1`)
Lokomotive entwickelt und gebaut
von Greenly abgelöst wurden.
Mit
diesen beiden Linien der RH&DR
sowie der R&ERy war der
Grundstein für weitere Bahnen
in dieser Spurweite gelegt und
es dauerte nicht lange bis diese
Spurweite auch am Festland Fuß
fasste.
Diese
beiden Bahnlinien sind heute
noch in Betrieb.
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